Schattenarbeit

Die Schattenarbeit wurde von Ruediger und Margit Dahlke und Thorwald Dehtlefsen vor rund 40 Jahren entwickelt. Dies ging nicht ohne die großartige Grundlagenarbeit von Carl Gustav Jung, Sokrates, Konfuzius, Homer und unzähligen anderen großen Geistern. Es handelt sich um eine tiefenpsychologische Methode, um das, was bei uns im Schatten liegt, ans Licht zu holen, quasi aus dem Schatten zu erlösen.

Was kann ich mir nun unter dem Schatten vorstellen? Beginnen wir einmal mit einem Bild vom Unbewussten. Stellen wir uns das Unbewusste einfach mal als riesige, unendliche Landschaft vor. Wirklich unendlich. Und nun stellst Du Dir vor, Du steckst dort ein Grundstück ab. Sagen wir mal, 10 x 10 Meter. Um das Grundstück auch klar zu kennzeichnen, baust Du direkt einen Zaun darum. Dieses Grundstück nennst Du nun "Ich".

Nun hast Du Dein Ich eingerichtet und schaust Dir Dein Grundstück an. Und zählst einmal auf, was alles zu Deinem Ich gehört: Ich bin... z.B. ein Mann oder eine Frau, mutig, ordentlich, friedliebend, krank, gesund, eine Frohnatur, depressiv, und, oder, und, und...

Wenn Du möchtest, mache einmal eine kleine Übung, um Dein Ich zu beschreiben: Nimm Dir einen Zettel und schreibe auf, was Du alles bist. Danach schreibst Du auf, was Du alles davon nicht sein möchtest. Und nun schreibst Du auf, was Du alles nicht bist. Und als Letztes schreibst Du auf, was Du davon alles gerne wärst.

So, jetzt hast Du eigentlich schon die erste Schattenarbeit gemacht. Nämlich, indem Du aufgeschrieben hast, was Du - in Deiner Wahrnehmung - alles nicht bist aber gerne sein möchtest und was Du alles bist aber nicht sein möchtest. Du hast einige Deiner Themen aus dem Schatten geholt und betrachtest sie jetzt bei Licht.

Was machen wir nun in der Schattenarbeit? Erst einmal erweitern wir Dein Ich-Grundstück. Vielleicht zuerst auf 20 x 20 Meter. Das ist immerhin schon das Vierfache. Wir holen Themen und Eigenschaften ans Licht, die bei Dir im Schatten liegen, im Unbewussten. Das kann auf den ersten Blick Positives, wie auch Negatives sein, es ist nur wichtig, dass Du entdeckst, dass auch dies zu Dir gehört. Warum ist es nur auf den ersten Blick positiv oder negativ? Weil wir alle Wertung weglassen. Wenn wir zum Beispiel eine tief verborgene Aggressivität entdecken, kannst Du sie negativ nutzen, indem Du endlich Deinem Nachbarn eine Latte über den Kopf ziehst. Schließlich verdrecken die Blätter seiner Bäume Deinen Garten. Oder Du nutzt sie positiv, indem Du endlich mal das offene aber faire Streitgespräch suchst, wozu Dir bisher der Mut fehlte.

Du wirst bei der Erweiterung Deines Grundstücks also merken, wie viel bisher im Außen, also im Schatten lag. Das gehört aber, wie alles andere, zu Dir! Und so können wir Verdrängtes, vielleicht auch Traumatisches entdecken, was sich aus dem Schatten heraus auf einer ganz anderen Ebene, z.B. Krankheit, eine Ausdrucksform gesucht hat.

Du ahnst es wahrscheinlich schon: Das Ziel ist, den Zaun ganz abzureißen, alles Unbewusste zu integrieren, festzustellen, dass ALLES in Dir ist und ALLES in Dir wirkt, also zu Deiner WIRKlichkeit gehört.

Nun, das werden wir in diesem Leben vielleicht nicht ganz schaffen. Dann wärst Du nämlich in der Einheit, hättest die Polarität des Lebens überwunden. Aber - wir können eine ganze Menge schaffen. Je mehr Du entdeckst, je größer Du Dein Grundstück machst, desto mehr kommst Du vom Ich zum Selbst, zum Erkennen und zur Überwindung Deiner Grenzen.